Uncle Brian’s U-Turn Trip
Von simon am 31. Januar 2013
Das Beste zum Schluss – hoffentlich! Laut Tripadvisor soll dieser Tagestrip mit Uncle Brian “excellent” sein und rangiert als Nr. 1 Attraktion in Cairns! Auf Empfehlung vieler Bekannter und Backpacker soll es wirklich ein unvergesslicher Tag werden!
Um 8:00AM werden wir vor der Tür von Cousin Brad begrüßt – Uncle Brian sei unpässlich. Die Beschreibung – durchgeknallt, lebt für diese Tour, lustig, babbelt am laufenden Band – passt perfekt! Der Bus ist voll, 20 “Familienmitglieder” + Cousin Brad! Er kennt schon jeden beim Vornamen und stellt uns die Route vor, bzw. das was wir heute machen werden…sollten, könnten…! Wir können selbst entscheiden, was wir sehen wollen, laut “STOP” rufen, falls wir irgendwo stehen bleiben möchten, oder sonst irgendetwas auffälliges zu sehen ist! Der erste Halt ist…ein schlichtes graues Gebäude. Grund ist: der letzte Passagier steigt zu und wird gebührend empfangen. Die Bustüre öffnet sich und alles klatscht und jubelt – wie sich dass Familie gehört! Warum werden wir von Cousin Brad und nicht von Uncle Brian persönlich rumkutschiert? Die Version von Brad lautet wie folgt: Uncle Brian ist vor 9 Monaten früh morgens vom Telefon geweckt worden und völlig entblößt zum Telefon im Wohnzimmer gehastet ist. Seine Frau war gerade dabei in der Küche das Frühstück vorzubereiten, als sie einen lauten Schrei ihres Gatten zu Gehör bekam. Ohne mit der Wimper zu zucken, stellte sie fest, das irgendetwas nicht ganz regelkonform abzulaufen scheint und sprintete ins Wohnzimmer, von wo der Ausruf des Erschreckens herzukommen schon…! Blitzartig warf sie sich zu Boden und federte den Aufprall ihres nackten Mannes auf den nackten Steinboden ab…nunja, das war eben 9 Monate her…!
Noch etwas müde sitzen wir im Bus, der sich mittlerweile in südwestlicher Richtung aus der Stadt bewegt. Einige Schnorchler und Taucher von gestern sind auch dabei. Brad erzählt… “Last fastfood restaurant til the end of the day…”, als wir am M oder Hungry Jacks vorbeikommen, die in Australien ja alle 2km vorzufinden sind. Sobald ein menschliches Wesen auf der Straße zu sehen ist, sei es ein Passant in der Stadt oder ein in der Sonne schmorender Baustellenschildhalter – freundlich lächeln, winken und hupen! Apropos, die Hupe kommt von “Gus, the bus!” oder auch “Gus, the wonderbus!” Liebevoll wird er von Brad getätschelt und mit ihm gesprochen, die Antworten Arten in endloses Gehupe mitten auf dem Highway aus – wahrscheinlich kennt den Bus hier jedermann und stört sich nicht am sprechenden Gus!
So geht es ca. 40km ins Hinterland nach Babinda, durch Babinda und dann zu einer der beliebtesten Erfindungen für die Australier – der U-Turn! Natürlich fahren wir 4x im Kreis, oder besser im Ei! Weiter geht die Kaffeefahrt nach…Babinda – wir sind einzig und allein wegen dem U-Turn hierher gefahren! Und wegen dem goldenen Stiefel im Schaufenster…! Gus fährt, Brad erzählt oder lässt so lange Musik laufen und uns reden, bis keiner mehr von uns redet und die Hälfte schläft – das ist Regel #1 bei Uncle Brian – nicht schlafen! Ist ja nicht so, dass er nur Blödsinn erzählt, im Gegenteil, es ist viel Interessantes dabei. Die Zeit vergeht und schon stehen wir auf einem Parkplatz. Alles aussteigen und ab in den Regenwald! Auf befestigtem Weg treffen wir alle paar Meter auf ein spider web. Kein Koala, kein Känguru, kein Krokodil, nicht mal ne Schlange, dafür eben Spinnen! Klein und putzig oder langbeinig und größer als die Hand – erwachsene Menschenhand! Einige haben auch eine gefüllte Vorratskammer – da hängt dann ein daumengroßer Käfer eingewickelt an einem langen, dickeren Faden im Erdgeschoss des Netzes! Nach dem Waldspaziergang dürfen wir uns in einem großen Wasserloch, das von einem Gebirgsbach gespeist wird, erfrischen. Der restliche Teil des Bachs und das andere Wasserloch sind tabu! Wenn’s auf dem Berg regnet wird aus dem Bach ein reißender Strom, da dann eine Flutwelle vom Berg herab flutet – nächster Stopp Great Barrier Reef! Das kühle Nass ist perfekt!
Brad hat in der Zwischenzeit ein paar Kekse, Wasser und saftbereitgestellt – dann geht’s auch schon weiter…nachdem einige ein paar Ameisen ausprobiert haben…! Das nächste Etappenziel heißt: rock sliding! Hier im Wald fällt das Wasser stufenweise vom Berg herab und bietet eben an einer Stelle die Möglichkeit auf dem glatten Stein dem Wasser zu folgen. Ob ganz konventionell auf dem Hosenboden, auf dem Bauch, rückwärts, liegend in Playboy-Pose, als Schildkröte mit allen Vieren in die Luft gestreckt und, und, und… “But don’t … don’t do the Surfer! It doesn’t work! I know what I’m Talking about…!” So denn, ab ins Wasser! Die “Rutsche” sieht so klein aus, ist aber doch ganz schön lang – ca. 5m gleitet man den Hang hinab! Reinspringen, am anderen Ufer aus dem Wasser robben, rutschen, posieren und wieder von vorn..! Brad lacht sich am trockenen Ufer kaputt und schießt Fotos! Ein Weg flussaufwärts bietet dann nochmals Spinnengetier en masse.
Dieses sogenannte rock sliding macht hungrig, sodass der nun folgende Halt gezwungenermaßen Mr. Lunch heißt! Es gibt 2 Hähnchenschlegel, Couscous und Salat bei schönem Ausblick auf die Hügel des National Parks. Gut gestärkt bringt uns Gus zu den Millaa Millaa Falls! Wer kennt sie nicht, die Herbal Essences Werbung mit der hübschen Dame unterm Wasserfall…Aaah!? Das wurde hier gedreht! Den Berg hinunter bis zum Wasserfall läuft dann eine bekannte Fanfare (auf den Titel kommen wir nicht) und endet pünktlich mit dem Höhepunkt beim Blick auf die Wasserfall… schwierig das zu beschreiben, es passte jedenfalls super! Das Wasser ist… | | so kalt! Aus 40m, also von Brad großzügig aufgerundete 18m, fällt jedes Wassermolekül zu Boden und gewährt jedem eine saftige Massage – Erinnerungen an die traditionelle Lao-Massage werden kurz wach…! Hier hat man aber den Vorteil einfach wegzuschwimmen, falls es zu hart wird! Die Mädels stehen schon fürs photoshooting an…nach vorn beugen, Haare ins Wasser, Hände in die Hüfte gestemmt und 3, 2, 1… aufrecht hinstellen, Kopf in den Nacken werfen, Brust raus, Haare wirbeln durch die Luft, ein “Aaah!” ertönt und das Bild ist im Kasten!
Vom kalten Wasserfall schippern wir zum warmen Vulkansee Lake Echam. Die Fahrtzeit nutzt Brad um uns in die Kunst des “snake dance” einzuweihen. Man winkele seine Hand um 90° ab, forme mit der Hand einen Schlangenkopf und führe zum Song “I Feel Good” Schnappbewegungen, passend zur Rhythmus aus. Also á la “so good…schnapp,schnapp…so good…schnapp,schnapp…”! Sooo lustig! Dann sind wir auch schon da, am 65m tiefen Vulkansee. Entstanden ist dieser vor 12.000 Jahren, als Magma auf Wasser traf. Die Explosion ließ einen Krater entstehen, der sich mit Grundwasser füllte und sonst nur von Regen gespeist wird. Hier noch kurz ins Wasser gehüpft und nochmals Aufwärmen bei einer heißen Schokolade und Muffins, dann starten wir zur letzten Attraktion – vorletzten…! Platypus watching! Ähhh ja! Platypus ist ein verrückter Genosse. Der Herr oder die Dame ist anatomisch gesehen ein Säugetier, gut was?! Jetzt kommt’s aber: der Gerät, also “sie”, legt Eier! Ein Säugetier das Eier legt, sieht aus wie eine Kreuzung aus Biber, Ente und Otter und ist stolze 45cm groß! Es lebt wie ein Biber, hat unterirdische Eingänge zu seinem Bau, weshalb wir einige Warteminuten benötigen, bis wir eines sehen – ziemlich scheu die Kollegen! Reglos treiben sie im Wasser, bis sie vor Schreck abtauchen. Wir tauchen auch wieder ab…es dämmert und Gus ist müde. Auf dem Weg zurück stoppen wir für etwas “flüssige Heiterkeit” und haben eine lustige Busfahrt nach Cairns!
Dort angekommen gibt’s noch ein kostenloses, gemeinsames “Abendessen”, das man aber ehrlich gesagt “in der Pfeife Rauchen kann”…ein Häufchen Reis mit Bolognese. Da ist der jug of beer nahrhafter! Prost! Ein unvergleichlicher, unvergesslicher und total lustiger Tag! Brad IST die Tour, er könnte den ganzen Tag durch Nussloch kurven und es wäre ein Tag wie heute! Er lebt dafür, das merkt man und wird mitgerissen! Höchst empfehlenswert!
Herbal Essence? 2004 war’s noch Timotei
Oder heißt Timotei jetzt Herbal Essence?…